Wenn der Sturm im Haus tobt

Luftdichtheit in Gebäuden

Bei Neubauten oder Modernisierungen von Gebäuden kommt es immer wieder, sei es bereits in der Planung, vor Modernisierungsbeginn oder während der Ausführung, zu folgenden Fragen: „Wie luftdicht muss oder darf ein Haus sein?“ oder „Ist ein luftdichtes Gebäude denn gut?“ Auch Aussagen wie „Wände müssen atmen!“ werden immer wieder besprochen und richtig gestellt. Das Thema „luftdichte Gebäudehülle“ ist bei allen am Bau Beteiligten immer ein heißes Thema.

Bereits mit der 1. Novellierung der Wärmeschutzverordnung 1984, das ist die heutige Energieeinsparverordnung (EnEV), in der Bundesrepublik wurde die luftdichte Bauweise gesetzlich vorgeschrieben. Obwohl damals diese Maßgabe bereits bestand, beschränkten sich die ersten Maßnahmen vorwiegend auf den Einbau fast fugendichter Fenster und Türen. Auch in der 2. Novellierung der Wärmeschutzverordnung von 1995, die sogenannte WSV95 wurde das Thema Luftdichtheit der Gebäudehülle etwas mehr beschrieben, jedoch wurden keine zahlenmäßige Vorgaben gefordert. Noch nicht. Erst im Jahr 1998 wurden das erste mal Grenzwerte im Bundesanzeiger gefordert und mit der heute geltenden EnEV vertieft und haben heute einen ganz anderen Stellenwert eingenommen.

Die damals angegebene maximale und zulässige Luftdurchlässigkeit betrugen für Gebäude mit Fensterlüftung n50 = 3,0 h-1 und für Gebäude mit raumlufttechnischen Anlagen wurde dies Durchlässigkeit mit einem n50-Wert = 1,5-h festgelegt.

HÄ was soll das wohl bedeuten? Mal angenommen Ihr Gebäude hat ein Innenvolumen von 500 m³, dann darf sich dieses Innenvolumen bei Gebäuden mit Fensterlüftung maximal 3 mal in der Stunde über die Undichtigkeiten austauschen, also 1500 m³ in der Stunde. Bei Gebäuden mit raumlufttechnischen Anlagen wie mit einer kontrollierter Wohnraumlüftung und/oder weitere Anlagen darf halt nur das 1,5-fache des Innenvolumens, bei dem Beispiel hier also 750 m³ durch Undichtigkeiten ausgetauscht werden. Übrigens: Diese Werte sind heute noch gültig. Hinzu kommen noch die Passiv-Häuser. Hier wird ein maximaler Wert von n50 = 0,6 –h gefordert. Hier im Beispiel nur maximal 300 m³ in der Stunde.

Warum hat man diese maximalen Grenzwerte nun so festgesetzt? Ich nenne dies “Die 7 Gründe der luftdichten Gebäudehülle“.

  1. Vermeidung von Zugluft
  2. Vermeidung von Kaltluftseen
  3. Leistungsabfall von Lüftungsanlagen durch Undichtigkeiten
  4. Vermeidung von Schadstoffeintrag durch Undichtigkeiten
  5. Vermeidung von Bauschäden durch Feuchteeintrag
  6. Verbesserung des Schallschutzes
  7. Minimierung von Energieverlusten

(Punkt 1 und 2 kennen Sie bestimmt auch mit dem Spruch: „Hier zieht es wie Hechtsuppe“)

Wie Sie anhand der kleinen Liste erkennen können, gibt es genügend Punkte, die für eine luftdichte Gebäudehülle sprechen. Leider kann ich in diesem Artikel nicht die ganzen Themen ansprechen, da das hier in dem Blog-Artikel den Rahmen bei weiten sprengen würde. Aber keine Sorge, in den nächsten Blog-Artikeln werde ich hierzu auf jeden Fall noch näher eingehen.

Sollten Gebäude jetzt nun luftdicht sein? Hierzu lässt sich aus meiner Sicht, der Fachwelt und auch aus Sicht der 7 oben genannten Gründe nur sagen: „Ja“, welches mit einem „aber“ versehen werden muss!!! Werden heute keine Überlegungen zur Zuluftsicherung (der notwendige Mindestluftwechsel oder auch Lüften genannt) gemacht, ist mit einer Verschärfung der zurzeit problematischen Schimmelpilzsituation zu rechnen.

Da sind ja noch die atmenden Wände, die ich eingangs angesprochen habe. Ein dort gemeintes „atmen“ findet nicht statt. Die Wände, die hier unsere Außenwände darstellen, sind im Massivbau mit einer Schicht Putz versehen. Dies ist unsere luftdichte Ebene bzw. Schicht. Da diese Schicht wie beschrieben luftdicht ist, kann von „atmen“ keine Rede sein. Vielmehr ist hier die Fähigkeit der Wasseraufnahme vom Wandverputz sowie dessen Wasserabgabe gemeint.

In meinem nächsten Blog-Artikel werde ich dann auf meine „7 Gründe“ eingehen und genau beschreiben und erklären. Nicht nur das. Auch wie man Undichtigkeiten sehr gut aufspüren kann und welche Folgen eine undichte Gebäudehülle haben werden von mir erläutert und erklärt.

Herzlichst Ihr

Torsten „ich angle den Hecht aus der Hechtsuppe“ Dammberg

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